Manchmal wird man in so einem Gremium eingeladen
und denkt sich:
Okay. Hier passiert gerade wirklich etwas.
Jetzt ist ein besonderer Moment. Genieße.
Wertschätzung. Offenheit. Fachlichkeit. Kein Abwehrmodus.
Kein „Das haben wir schon immer so gemacht“.
Und ja – das war letzte Woche so.
Ein richtig guter Austausch.
Produktiv. Respektvoll. Ernsthaft interessiert.
Und als ich sage: Es reicht nicht.
Werden Vorschläge gemacht.
Am Ende läuft alles auf einen Punkt hinaus:
Wir müssen Gesetze verändern.
Barrierfreiheit ist kein solidarischer Akt.
Klingt so, aber laut Gesetz eben nicht.
Gesetze.
Das Behindertengleichstellungsgesetz wird umgesetzt,
als wäre es in sich logisch, vollständig und fair austariert.
Ist es aber nicht.
Bauliche Barrieren?
Genormt. Definiert. Messbar.
Taktile Barrieren?
Benannt. Standardisiert. Prüffähig.
Und invisilbe Barrieren?
Chemische.
Sensorische.
Kommunikative.
Soziale.
Nicht systematisch gelistet.
Nicht strukturell normiert.
Nicht als eigenes Barrierekonzept verankert.
Alle Menschen mit Behinderungen müssen gleich bewertet werden.
Und das hört sich jetzt nach einem Klassenkampf an, ist es aber nicht.
Rampen und Leitsystem müssen sein, aber auch diese Menschen, die dies
brauchen haben eine überhöhte Wahrscheinlichkeit für Trauma, Depression.
Stattdessen argumentieren wir über einzelne Diagnosen.
„Seelische Gesundheit.“
„Kognitive Beeinträchtigung.“
„Autismus.“
„Demenz.“
Aber Barrieren sind kein Diagnoseproblem.
Sie sind ein Strukturproblem.
Und genau da darf Gesetzgebung nicht unscharf werden.
Also habe ich das getan,
was ich in solchen Momenten tue:
Hyperfokus.
Ich bin versunken.
In Paragraphen.
In Begründungen.
In systematischen Ansätzen.
In Lösungen.
Und in meinem Kopf klingt das alles glasklar.
Stringent. Logisch. Juristisch sauber.
Nur:
Ich muss an diese eine Person, die es versteht.
Prüft und nicht weiterswipt.
Aber ich habe gelernt:
Man sucht so lange,
bis man diese Person vor sich hat.
Und vielleicht
war ich diesmal an der richtigen Adresse.
Und vielleicht ist genau jetzt der Moment,
an dem wir aufhören,
über Diagnosen zu sprechen –
und anfangen,
über Barrieren zu normieren.
Wer weiß.
Hier geht’s zu unserem Positionspapier zum BGG:

